Heute morgen, 10.30 Uhr am Boxhagener Platz. Ich bin mit Kinderwagen und Freundin unterwegs. Zwei Gestalten nähern sich uns. Mädel, leicht verlegen: „Entschuldigen Sie, Sie haben doch bestimmt Zeit.“ Da sage ich schon aus Prinzip gern nein.

„Ja?“

„Wir sammeln… [Stimme gesenkt, Betonung wie im Agentenfilm] *Scheiße* für ein Kinderheim. Eigentlich könnten wir auch alleine sammeln. Aber je mehr Leute uns helfen, umso mehr Geld gibt’s vom Bezirk. [Für die zwei oder für das Kinderheim?] Und darum wollten wir Sie fragen…, also wir würden Ihnen jetzt ein Tütchen geben, ob Sie uns helfen wollen…?“

Andere Leute, speziell am Boxi, würden denen flugs die Fresse polieren, wir sagen sachlich und bestimmt „Nee, ganz bestimmt nicht!“ und „Da sprecht ihr Mütter an? Wir sollen dann mit Scheiße an den Händen unsere Babies anfassen, ja?“

„Wir würden Ihnen auch eine Schaufel geben.“

Friedrichshain ist der Kiez voller Ideen, zum Teil recht bescheuerter. Mir erschließt sich der Sinn der Aktion nicht so ganz. Selbst wenn der Bezirk Geld für Scheiße rausrückt, warum sollten die ihre Aktion nicht bloß zu zweit durchführen? Wenn sie sich beeilt hätten, statt sich mit dem Bequatschen unschuldiger Menschen aufzuhalten, hätten sie in einer Stunde, bei einem Tempo von 4 km/h, etwa vier Mal den Platz umrunden und dabei ca. 4000 Haufen auflesen können. Rund vier Kilo. Was ist der Kilopreis für eine Unze Scheiße?

Und wo die Tüten dann landen, sieht man hier.


5 Antworten zu „Am Boxi Scheiße sammeln für’s Kinderheim?“

  1. 1 Jule

    Der Sinn der Aktion:
    Damit Du auch endlich mal merkst, dass es stinkt im Friedrichshain! Und hilfst, andere darauf aufmerksam zu machen. Um wenigstens die HundebesitzerInnen zu sensibilisieren, die tatsächlich nur aus Gedankenlosigkeit ihre Scheisse liegen lassen.
    Keine Ahnung was es mit dieser Aktion auf sich hatte, aber der Hintergrund ist doch definitiv unterstützenswert. Dein Beitrag war vielleicht lustig gemeint, klingt aber nur gedankenlos und arrogant.
    Aber lieber mit Freundin und Baby unterwegs, vielleicht noch ein Latte irgendwo? Ist ja auch viel bequemer.

  2. 2 Teman Schem

    Hallo Jule,
    1. ich merke durchaus, dass es in Friedrichshain stinkt. Weiß nicht, wie du darauf kommst, ich würde es nicht merken. Wie sonst käme ich auf 4000 Haufen?
    2. Wieso sagst du, Hundebesitzer lassen nur aus Gedankenlosigkeit die Scheiße liegen – woher willst du wissen, dass es keine Ignoranz oder Faulheit ist?
    3. Mir hat niemand gesagt, dass ich den Hundebesitzern aber mal ins Gewissen reden bzw. sie sensibilisieren soll. Wenn mich jemand darum gebeten hätte, hätte ich das eher gemacht. Stattdessen sollte ich die Scheiße der Hunde einsammeln, und das ist nun wirklich ein bisschen viel verlangt.
    4. Stillende Mütter trinken keinen Latte.

    Der Hintergrund der Aktion mag lobenswert sein, doch die Aktion selbst ist es nicht gewesen. Was glaubst du denn, würden die Hundebesitzer sagen, wenn eine Mutter den Wagen schiebt und nebenher die Haufen einsammelt? Würden die sagen, oh, oh, da muss ich in zukunft aber unbedingt selber einsammeln, bevor es Mutti macht, oder würden die nicht doch eher sagen, die Alte hat einen Knall?

    Mein Vorschlag: Malt die Haufen an. Knallegrün ansprayen. Dann ein Deutschlandfähnchen reinstecken. Fotos von Hundebesitzern und kackenden Hunden machen und überall aufhängen.

  3. 3 Jule

    Hallo,

    ich gehe nicht davon aus, dass HundebesitzerInnen nur aus Gedankenlosigkeit die Haufen liegenlassen. Das sind die wenigsten. Ich schrieb, dass wenigstens aber dieser (gedankenlose) Teil vielleicht sensibilisiert werden könnte.

    Schade, dass Dir erst jemand etwas sagen mußt, bevor Du von selber drauf kommst.
    Mal abgesehen davon: Die Mädchen wollten ja sicher nicht nur Dich und Deine Freundin mobilisieren, sondern auch andere Menschen. Ihr wärt also (wenn vermutlich nicht alle so reagiert hätten wie Ihr) mehrere gewesen. Da hätte Euch keiner mehr für bescheuert gehalten. Und selbst wenn, na und? Wäre auf jeden Fall öffentlichkeitswirksam gewesen. Kommt ja auch immer darauf an, wie man sich in einer solchen Situation darstellt – nämlich humorvoll.

    Aber darum geht es eigentlich auch gar nicht: Es geht darum, dass die meisten Menschen lieber mal die anderen machen lassen. Das meinte ich mit: Vielleicht noch ein Latte irgendwo?

    Jule

  4. 4 Teman Schem

    Stimmt, einige Menschen möchten lieber „die Anderen“ machen lassen. In diesem Fall waren es diese beiden, die nur Leute ansprachen und selbst keinen einzigen Haufen einsammelten (konnten wir beobachten während des Snacks im Bistro gegenüber).

    Mit Humor scheinst du dich auszukennen.

  5. 5 Jule


    Ja, ich musste lachen bei Deiner Antwort.

    Nichts für ungut.

    Jule

Hinterlassen Sie einen Kommentar.