Nicht nur SPIEGEL ONLINE wird immer banaler und reißerischer („Die Huren von Ipswich“ – diese Headline wurde inzwischen allerdings geändert). Die Berliner Zeitung macht mit und veröffentlicht eine ganze Seite (die Seite 3 vom Dienstag) zum Thema. Mit einem riesigen Bild des verhafteten Mannes, das dieser auf seine MySpace-Seite gestellt hatte. Nicht verfremdet. Sein Name wird ausgeschrieben. Der Einstieg des Artikels von Frau Sabine Rennefranz liest sich wie im Jerry-Cotton-Heftchen: Da ist die Rede von den Falten, die der Komissar bei der Pressekonferenz hat, wie sie verlaufen. Jaja, ein markanter Mann. Aaah, da fühlen wir so richtig mit. Nach anderthalb Minuten ist die Konferenz vorbei, der Artikel leider noch nicht. Es folgt spaltenlanges Blabla. Der Täter habe die Leichen abgelegt „wie Engel“, steht da.
Temjü Koobe sagt dazu: „Woher die immer wissen, wie Engel aussehen. Ich glaube, Engel sehen ziemlich scheiße aus. Die sind ja schon ganz alt.“
Verdächtige geben Zeitungs-Interviews, ihre MySpace-Seite wird durchforstet, die sogenannten MySpace-„Freunde“ werden angemailt. Das ist Verbrechen 2.0 und Journalismus Null. Billige neue Welt.
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