„ich sag Ihnen, es wird nicht besser“…
geschlossen | Von Dr. Simpel, Dienstag, 05. Juli 2005in Belästigungen. Tags: Nachbarn
…pflegt unsere Nachbarin zu sagen, und wenn man sie so ansieht, mag man sie kaum für eine Lügnerin halten. Und mit diesem lebensbejahenden Gruß in den Tag geschickt, ereifert sich kurz darauf dann ein junge, arbeitslose Frau gegenüber dem Fahrkartenkontroleur mit “det darf doch nicht wahr sein, die eigenen Leute anpissen”, “aber hautpsache nen job, wa, Hauptsache nen job”, “machst och allet wat führer schröder befiehlt, wa”, “immer uff de kleeneen, immer machen wat die da oben sajen, wie bei de Nazis”, “eay Kontrolleure sind echt det letzte, und die vom Ordnungsamt det allerletzte”, und findet bei ihrer Sitznachbarin für letztere Aussage gar mit “jooo, jenau” etwas Zuspruch. Zuspruch findet sie dann auch bei dem Kritisierten, der nüchtern feststellt, das sie für ihren Hund keinen Fahrschein hat. Auch die lautstarke Begründung “der kann ja mit seene Tazen nüsch annen Automaten, det is ja typisch, haste wat jefunden, da macht eene ma den Mund uff, dann gickste wi dese fertich machen kannst, wa , ich bin nix, ick kann nix jib mir eene Uniform, wa”. Der -übriges nicht uniformierte-Angesprochene zeigte sich wenig beeidruckt und bat um den gemeinsamen Ausstieg. Der Versuch des Weglaufens scheiterte dann nach ca. 5 sec. an mangelnder Schnellkraft, zwei dickbäuchigen Kollegen und dem schmalen Bahnsteig. Und während die kämpferische junge Frau mit ihren “Hilfe Vergewaltigung”-Rufen bei den Umstehenden eher für Schmunzeln sorgt frage ich mich kurz, ob ich die Ganze Szenerie mit einer quittungslosen Teilzahlung auflösen könnte, befürchte aber dann, als Nazi-Kollaborateur beschimpft zu werden. Und so gehe ich weiter ins Büro wo die Kollegen sich gerade im Fernsehen anschauen, wie der Führer staatsmännisch darum bittet, daß ihm mißtraut wird.

