Hakan Nesser: Barins Dreieck
0 Kommentare | Von Frau Wst, Montag, 11. Juli 2005in Bücher. Tags: Hakan Nesser
Zunächst: Enttäuschung, denn die Helden sind unsympathisch, die Geschichten nicht rund, vieles bleibt unklar. Es ist kein Schmöker, der das Strandleben versüßt.
Doch es ist ein guter Versuch, ein Thema zu variieren: Täter werden zu Opfern, die sich aus der Opferrolle wieder befreien, indem sie zu Tätern werden (usw). Die Zeitabstände, in denen das geschieht, sind im ersten Teil noch groß, im zweiten schon geringer, und im dritten spitzt Nesser es zu, indem er Opfer und Täter gleichzeitig in einer schizophrenen Person zeigt: Was passiert, wenn ich auf mein Spiegelbild ziele? Mein Spiegelbild zielt auf mich.
Das ganze ist anfangs spannend und faszinierend, aufgrund der Logik aber spätestens im dritten Teil durchschaubar. Hier hätte eine fünfseitige Kurzgeschichte genügt, statt die immer gleichen Symptome aneinander zu reihen bis zum erwarteten Schluss. Mit dem schizophrenen „ich“ und dessen gehetzter Sprache hat sich Nesser übernommen, es macht wirklich keinen Spaß, sich das Gestammel anzutun. Ein bisschen Qual für den Schizo, ein bisschen Qual für den Leser.
Trotzdem, den Analytiker wird das Buch erfreuen, man kann über einige Dinge rätseln (Welche Rolle spielt der Telepath?) Die Rolle der Ewa zum Beispiel beschäftigt noch eine ganze Weile länger.
Es gibt auch tragikomische Stellen, etwa wenn der Psychiater in Teil 2 den Mund hält, weil er einfach inkompetent ist, und der Patient in Teil 3 genau dieses Verhalten seines Therapeuten als besonders kompetent schätzt. Armer Irrer.
Das beste: Nessers Sprache passt sich seinen drei Charakteren an, und im Falle des Übersetzers ist diese Sprache äußerst gewandt und sensibel. Wenn er sich nicht wie Stephen King oder Poe aufführen will, ist Nesser wirklich großartig.
Auch wenn man das Buch, nicht zuletzt wegen ekliger Details, nicht wirklich mögen wird, es ist über weite Strecken spannend und lesenswert.


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